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Neustettins Nachbarn


 

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                               Gruß aus Neustettin als Ansichtskarte um 1930


Unser Heimatmuseum in Eutin mit dem Nikolaiturm aus Neustettin/Szczecinek 
Das Bild oben zeigt den Turm der alten Nikolaikirche; die Kirche wurde um 1300 erbaut, der Turm erst 1579. Schon 1914 diente der Turm als Heimatmuseum bis 1935; eine feierliche Wiedereröffnung als Regionalmuseum mit Sammlungen aus dem Kreis Neustettin/Szczecinek erfolgte 1958. Die ganze Geschichte des Museums nachstehend:
Wie kam es zu diesem Museum in Neustettin?
Die Anfänge von Museen waren eher Sammlungen und Rüstkammern, wie sie vor allem in Schlössern, Burgen und Herrenhäusern zu finden waren. 
In Pommern war es ein preußischer Major a. D., namens Kasiki, der 1860 in Hinterpommern aus Ausgrabungen 1966 eine "Rüstkammer" mit ca. 700 Gegenständen in der Landeshauptstadt Stettin einrichtete.
Erst zur 600-Jahrfeier 1910 hatten die Persönlichkeiten wie der Historiker Tümpel und Bürgermeister Sasse die Idee, 1913 in Neustettin einen Museumsverein zu gründen. Dank weiterer Unterstützer konnte 1914 ein Museum im Turm der (alten) Nikolaikirche eröffnet werden. 
1935 wurde das Museum aus Platzmangel und weiteren Gründen mit seinen Exponaten in das Schloß verlegt.
Beim Einmarsch der Roten Armee 1945 hatten sowjetische Soldaten die gesammelten Gegenstände und Unterlagen auf die Straße geworfen, so daß viele Unterlagen unwiederbringlich zerstört wurden. Einige Exponate und Unterlagen wurden aber durch polnische, weitsichtige Persönlichkeiten eingesammelt und damit gerettet, um wieder als Grundlage für ein Museum zu dienen.
Bereits 1947 gründeten die Herren Aleksander Stafinski und Priester Anatol Salaga eine Bürgerinitiative, doch wieder ein Museum mit den verbliebenen Exponaten im Turm der Nikolaikirche zu installieren. Elf Jahre gingen jedoch ins Land, bis das Museum 1958 feierlich eröffnet wurde. Der Verbleib des Museums im Turm sollte allerdings nur vorübergehend sein, ein Umzug in das Schloß war geplant, wurde aber nie realisiert. Erst 2006, als das Grundstück um den alten Nikolaiturm für einen Geschäfts-Neubau benötigt wurde, mußte eine neue Stätte für die Unterbringung der Gegenstände und Unterlagen gefunden werden, und zwar in der ul. Szkolna 1, ehem. Schulstraße, wo jetzt auch einige Unterlagen aus dem Neustettiner Heimatmuseum/Eutin eine letzte Bleibe gefunden haben. (Quelle: zusammengestelt aus der "Historie des Regional-Muzeum Szczecinek" - red. bearb. Klaus Wendlandt)  

 
Eingang zum Regionalmuseum in der ehem. Schulstraße in Neustettin/Szczecinek; Foto: Koth/Szczytkowski

Heimatmuseum in Eutin - Abschied in Würde und Wehmut.


Am 30.6.2018 fand die öffentliche Verabschiedung des Kreis-Neustettiner-Heimatmuseums in Eutin statt. Es war eine würdevolle Verabschiedung mit Kranzniederlegung am Neustettinstein, Schloßplatz 1.
Die Menschen aus der Stadt und dem Kreis Neustettin liebten dieses überschaubare Museum mit den vielen orginalen Exponaten und den interessanten Unterlagen aus der alten Heimat. Nicht nur Heimatfreunde, sondern auch andere Besucher haben sich in den Räumen umgeschaut; jederzeit standen ihnen kompetente Museumsbetreuer/innen für Fragen und Erläuterungen zur Verfügung. In der 26 Jahre währenden Ära hat das Museum viel Anerkennung und Wertschätzung erfahren - Fachleute haben es stets positiv beurteilt.
Alle Bemühungen, mit dem Museum am Ort zu verbleiben, waren gescheitert. Bis zum Jahresende 2018 müssen die Räume geräumt sein, da das Gebäude umgebaut werden soll.
Für den größten Teil des Museumsbestandes wurden gute Heimat- und Lagerstätten in verschiedenen Museen und Archiven gefunden: Das Schriftgut geht an die Martin-Opitz-Bibliothek in Herne sowie an das Archiv des Pommerschen Greif in Züssow. Die Exponate gehen zu Teilen an das Landesmuseum in Greifswald, nach Berlin in die Ausstellung "Flucht, Vertreibung, Aussöhnung", an das Schulmuseum in Schönwalde sowie an das Stadtmuseum in Uslar. 
In einem "virtuellen Rundgang" lebt das Neustettiner Heimatmuseum weiter und kann für Interessierte im Internet angeschaut werden - der entsprechende Link wird später hier angezeigt.
Der Neustettinstein, den die Brüder Ulrich und Friedrich Schreiber 1985 stifteten, soll auch an die Zeit Neustettins erinnern, nämlich von 1310 bis 1945; 1945 ging die Heimat verloren, aber die Erinnerung bleibt! 
Beitrag von Gesine Reinstrom, Vorsitzende des Neustettiner Kreisverbandes (red. bearb. Klaus Wendlandt)



 
23 Heimatfreunde/innen haben sich am Neustettinstein in Eutin versammelt, um sich mit
einem Blumengebinde vom Museum zu verabschieden - 2 Fotos: Christiane Mertins


Heimatmuseum in Eutin - "Es war einmal ..."
Im Heimatmuseum des Kreises Neustettin in Eutin/Holstein waren die Besucherinnen und Besucher immer wieder angenehm überrascht, wie vielfältig Erinnerungsstücke aus der Heimat zusammen getragen wurden.
Aus fast allen Orten und selbst von kleinsten Gemeinden waren Akten angelegt, die Fotos, Briefe, sonstige Schriftstücke und Dorfpläne, teilweise mit Namenslisten der ehemaligen Bewohner, enthielten. 
Viele Heimatfreunde/innen hatten spontan die Übergabe von Stücken aus persönlichem Besitz zugesagt und übergeben, um die Sammlung zu ergänzen.
Diesen zentralen Aufbewahrungsort gibt es in Kürze nicht mehr; alles wird aufgeteilt, s. oben und hoffentlich bleiben keine Reste, die womöglich in der Abfalltonne landen, weil keiner sie haben will.


 
"Dieses Schild wird bald abgebaut", sagt Walter Mertins, Heimatfreund aus Stepen.


   
Dr. Jürgen Reinstrom schraubt das Museumsschild endgültig ab und seine Ehefrau Gesine, Vors. des NKV, hält es zusammen mit Rita Kennel, Museumsverwalterin, noch einmal zur Erinnerung dem Fotografen am 16. August 2018 hin. Mit dem Abtransport der letzten Kartons schließt das Museum nach 26 Jahren für immer seine Pforten - spätestens zum Ende des Jahres 2018 - das Heimatmuseum des Kreises Neustettin ist dann Geschichte; in einem ausführlichen Beitrag, was, wo hingeht bzw. schon übergeben wurde, hat Gesine Reinstrom auf den Seiten 4 bis 6 der Ausgabe 1/2018 von "Mein Neustettiner Land" dargestellt. 
Nachstehend die Institutionen, wo die Unterlagen und Exponate künftig zu finden sind:
1. Martin-Opitz-Bibliothek in Herne <www.martin-opitz-bibliothek.de>
2. Pommerscher Greif in Züssow <www.pommerscher-greif.de>
3. Pom. Landesmuseum, Greifswald <www.pommersches-landesmuseum.de>
4. Dorfmuseum in Schönwalde, Ostholstein <www.dorfmuseum-schoenwalde.de>
5. Stiftung "Flucht, Vertreibung, Versöhnung" in Berlin <www.sfvv.de/de>
6. Landesbibliothek in Eutin, Ostholstein <www.lb-eutin.de>
7. Regionalmuseum Szczecinek/Neustettin, Polen <www.muzeum.szczecinek.pl>
Ein virtueller Rundgang durch das Museum in Eutin wird demnächst ins Netz gestellt - damit bleibt uns unser Heimatmuseum weiter in Erinnerung.



Wissenswertes über das Archiv in Koszalin/Köslin. 


Das Archiv in Koszalin/Köslin wurde am 4. Juli 2003 von Bischof Marian Golebiewski gegründet; er sagte: "Am Anfang wussten wir nicht, was sich an Unterlagen, vor allem Kirchenbücher, auf dem Gebiet des Bistums befanden. Wir mussten viele Kilometer in verschiedene Orte fahren, auf Dachböden suchen, um das Archiv zu dem zu machen, was es heute ist: Es ist kein gewöhnlicher Lagerraum für Gerümpel und zwischen den Regalen kann man eine faszinierende Reise in die Vergangenheit machen, die uns hilft, die Gegenwart besser zu verstehen."


"Unser Archiv ist noch sehr jung. Wir sind die Erben dessen, was uns nach dem 2. Weltkrieg hinterlassen worden ist; der Krieg hat den Archivalien großen Schaden zugefügt. Es herrschte die Meinung, dass alles was den Deutschen gehörte und was deutsch war, Aversionen und Feindseligkeit bei den Menschen hervorrief und deshalb zerstört wurde", so Pfarrer Dr. Ceynowa, der Leiter des Archivs des Bistums Koszalin-Kolobrzeg ist.
Dessen ungeachtet, füllen sich stetig die Regale mit Kirchenbüchern und Unterlagen über Bevölkerung, Briefe und Fotos, was die jeweilige Gemeinde betraf. Das Archiv ist eine wertvolle Informationsquelle über Menschen und ihre Schicksale in der Vergangenheit. Interessant auch für Dr. Tadeusz Ceynowa, wie man an Unterlagen herankommt: "Manchmal mußte ich auf einen Kirchturm klettern, weil ein Pfarrer der Gemeinde meinte, dass sich dort etwas befände oder ich bekam eine Information, dass in einem Pfarrhaus auf dem Lande ein alter Schrank stehe, in dem irgendwelche Dokumente seien."
Das Archiv wird nicht nur von Studierenden und Historikern besucht, sondern auch von interessierten Menschen, hauptsächlich deutschen, die Ahnenforschung betreiben und etwas über Schicksale von Angehörigen und Verwandten wissen möchten, weiss Malgorzata Wieczorkowska zu berichten, die von Anfang an im Archiv tätig ist. (Bericht aus einer poln. Zeitung, übersetzt durch Maciej Turkowski, korrigiert von Jutta Kubowski, red. bearb. durch Admin)

 
Panorama von Neustettin am Streitzigsee - Federzeichnung eines Unbekannten - könnte aber von Ulrich Schreiber sein?
Die Zeichnung stammt aus dem Fundus von Otto Below und wurde bei der Auflösung der Aktenbestände gefunden. 



                    Panorama von Neustettin (ohne Datum) - könnte die Vorlage für die obige Federzeichnung sein.


       
   Ansichtskarte: Marktplatz mit Rathaus Neustettin um 1922            Szczecinek, Plac Wolnosci, Ansichtskarte um 1980


      
 Neustettiner Schloß als Aquarell von Siegfried Barz      Das Neustettiner Schloß nach der Restauration 2013; Foto: Admin



Gesucht werden noch die Wappen der anderen Gemeindebezirksorte!

   
Dieses Buch sollte jeder Heimatfreund in seinem                         Das Pommernlied von Adolf Pompe
Bücherregal haben; es ist eine Fundgrube für Bilder                wird bei Heimattreffen stets gesungen.
aus Stadt und Kreis Neustettin und wurde 1980
vom Heimatkreis durch Hans Fischer und Ulrich
Schreiber herausgegeben. 


Die Aura um Neustettin


Neustettin war für uns Umlandgemeinden immer eine Metropole mit einem besonderen Flair. Sie war für uns die Sonne und die Dörfer die Trabanten. Die Stadt zog uns stets magisch an und wir zogen uns immer gut an, wenn es in die Stadt ging, um die Dinge zu besorgen, die es auf dem Dorf nicht gab. Eine gewisse Grundversorgung, z. B. mit Lebensmitteln und Produkten des täglichen Bedarfs war in den Dörfern vorhanden, aber für höherwertige Güter mussten wir in die Stadt zu Karstadt, Ramelow, Kaiser’s und weiteren Fachgeschäften; die medizinische Versorgung war nur in Neustettin sichergestellt.
Stadt und Umland waren aufeinander angewiesen, es war immer ein gewisses Geben und Nehmen, denn die landwirtschaftlich geprägten Umlandgemeinden versorgten die Stadt mit naturbelassenen Agrarerzeugnissen und die Stadt lud dafür zum Einkauf  in die gut sortierten Geschäfte ein, zum Genießen von Kultur und Köstlichkeiten der Gastronomie und bot allerlei Kurzweil sowie Sehenswürdigkeiten. Viele Dorfbewohner zog es auch nur zum Flanieren in die Stadt, hingegen nutzte ein Großteil der Stadtbevölkerung die Freizeit und fuhr aufs Land, um die Natur zu genießen; einige ausgearbeitete Wanderstrecken und Fahrradtouren beweisen den damaligen „kleinen“ Tourismus in und durch die Umlandgemeinden. KW 


Nachstehend ein paar Notizen aus der Erinnerung oder Überlieferung, wie die einstigen Dorfbewohner die Nähe zu Neustettin erlebt bzw. empfunden haben:


Aus der Sicht von Klaus Wendlandt, früher Dieck, Abbau
Für mich als 8 bis 10-jährigen Jungen war es immer ein besonderes Erlebnis und zugleich eine Auszeichnung, wenn mein Vater mich auf einer Kutsche in die Stadt zum Einkaufen mitnahm. Große Geschäfte, wie oben angeführt, mit Schaufenstern und Glastüren, die von selbst schlossen, wurden aufgesucht, um notwendige Gebrauchsgüter für Hof, Stall und Feld einzukaufen. Eine neue Hose und eine Jacke waren bei dieser Gelegenheit immer eingeplant, neue Schuhe gab es nicht so oft und wenn, dann nur auf Bezugsschein. Bevor wir dann nach Hause fuhren, gab es noch eine Tasse Kaffee bei Kaiser’s und bei einem bestimmten Bäcker musste noch das Brotkontingent für eine Woche mitgenommen werden. Zurück ging es über Thurow bei der Landmaschinenschlosserei Fuhlbrügge vorbei, um die reparierten bzw. geschärften Stücke mitzunehmen, die auf dem Hinweg dort zur Bearbeitung abgegeben wurden.
In die Stadt mit dem Zug ab Thurow zu fahren war etwas ganz Besonderes. Diese riesige Lokomotive versetzte mich in Bewunderung und auf dem Bahnhof in Neustettin kam ich aus dem Staunen nicht heraus: Noch mehr Lokomotiven, Personen- und Güterwaggons, offene Waggons mit Militärfahrzeugen und auf den Bahnsteigen eilende Menschen. Ich hatte es nicht eilig, ich konnte mich nicht „satt“ genug sehen.
In schlechter Erinnerung habe ich einen Besuch beim Zahnarzt: Die Bohrmaschine mit Fußantrieb war der reinste Horror, einschließlich dieser spitzen Haken, mit denen die Zähne untersucht wurden – so etwas prägt sich ein fürs ganze Leben.


Dennoch bleibt für mich Neustettin eine der schönsten und bewundernwertesten Städte unserer Pommerschen Heimat, die ich mehrfach aufsuche, wenn ich mit meiner Frau – sie ist gebürtige Rheinländerin – in der alten Heimat bin; der Stadtbummel beginnt stets mit einem Spaziergang auf der Promenade am Streitzigsee bis hin zum Neustettiner Gedenkstein. KW  - ins Polnische übersetzt von Wioletta Brzezinska - siehe poln. Seite.

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